RSPO-Standard für nachhaltiges Palmöl: Das müssen Sie wissen

veröffentlicht von Laura Heisch am 30.03.2017

RSPO_certificate_blog_DE.png Die Nachfrage von nachhaltig produzierten Produkten steigt kontinuierlich an, was vor allem die produzierenden Unternehmen dazu zwingt, sich auf die steigende Nachfrage einzustellen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist nicht nur die nachhaltige Produktion, sondern eben auch der Nachweis darüber. Gerade im Lebensmittelbereich sind Öko- oder Nachhaltigkeitsstandards mittlerweile fast Pflicht.

Einer dieser Nachhaltigkeitsstandards ist der RSPO-Standard - RSPO steht für Roundtable on Sustainable Palm Oil. Die 2004 gegründete private Organisation mit Sitz in Zürich setzt sich international  für den nachhaltige produzierte Palmölprodukte entlang der gesamten Lieferkette ein.

Die Organisation geht auf eine Initiative von WWF zurück und vertritt die Belange von unterschiedlichen Interessengruppen wie Umweltorganisationen, Plantagenbesitzern, Lebensmittelkonzernen, Herstellern und Einzelhändlern von Palmölprodukten. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht Landbesitzer, Mitarbeiter in Anbaubetrieben, Kleinbauern und deren Familien zu unterstützen. Gleichzeitig setzt sich der RSPO dafür ein, dass kein weiterer Regenwald abgeholzt wird. Denn in den meisten Fällen werden für den Gewinn von Palmöl enorme Flächen von Ölpalmen abgerodet, ohne auf ökologische, ökonomische oder soziale Aspekte zu achten. Mehr als 80% des gesamten Palmöls stammt dabei aus Indonesien und Malaysia.

Produkte, die Palmöl beinhalten, kommen in zahlreichen Bereichen, vor allem jedoch in der Lebensmittelindustrie, zum Einsatz. Palmöl wird unter anderem in diesen Bereich verwendet:

  • Lebensmitteleinzelhändler und -hersteller
  • Körperpflege- und Kosmetikindustrie (hauptsächlich Palmkernöl)
  • Biokraftstoff und Energie
  • Gastronomie und Dienstleistungsindustrie
  • Arzneimittel
  • industrielle Nutzung
  • Futtermittel (Palmkernöl Vertreiber)

Grundlagen des RSPO-Standards

Die Grundlagen des Standards basieren auf 8 Prinzipien und 43 Kriterien zur praktischen Umsetzung. Der Standard wird alle 5 Jahre überarbeitet. Zuletzt erschien 2014 eine neue Version des Standards, die seit dem 1.04.2015 verpflichtend ist.

Das sind die 8 Grundprinzipien, zu denen sich alle zertifizierten Organisationen und RSPO-Mitglieder bekennen:

  1. Bekenntnis zu Transparenz
  2. Einhaltung von Gesetzen und sonstigen rechtlichen Bestimmungen,zum Beispiel die rechtmäßige Nutzung von Anbauflächen
  3. Bekenntnis zu langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit
  4. Anwendung angemessener, bewährter und vorbildlicher Methoden durch anbauende Betriebe und Mühlen, zum Beispiel zur langfristigen Wahrung der Bodenfruchtbarkeit und Erosionsvermeidung
  5. Verantwortung gegenüber der Umwelt und Wahrung natürlicher Ressourcen und der Biodiversität
  6. Verantwortungsvolle Berücksichtigung der Angestellten und betroffener Individuen und Gemeinden
  7. Verantwortungsvolle Erschließung von neuen Anbaugebieten
  8. Bekenntnis zur kontinuierlichen Verbesserung in Haupt-Arbeitsgebieten oder beim Einsatz von Agro-Chemikalien

Ziel des Standards ist die durchgängige Kontrolle und Überwachung von nachhaltigen Palmölprodukten entlang der gesamten Lieferkette. Dabei deckt der RSPO-Standard alle Prozesse, von der Raffination über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb und Transport von Palmölprodukten, ab.

Die 4 Lieferkettenmodelle des RSPO-Standards

Es gibt 4 unterschiedliche Wege, wie ein Palmölprodukt nach RSPO zertifiziert werden kann:

  • Identitätssicherung: gewährleistet, dass zertifiziertes Endprodukt nur aus eindeutig identifizierbaren und zertifizierten Mühlen stammt und zurückverfolgt werden kann.
  • Segregation: gewährleistet, dass zertifiziertes Endprodukt nur aus zertifizierten Quellen stammt.
  • Massenbilanz: ermöglicht die Übertragung der Zertifizierungsaussagen auf ein anderes Palmölprodukt.
  • Book & Claim: ermöglicht die Übertragung von zertifizierten Akteuren innerhalb der Lieferkette.

Zertifizierung

Standardmäßig enthält das Zertifizierungssystem folgende Elemente: Zertifizierungsstandard, Akkreditierungsanforderungen, Zertifizierungsanforderungen. Für eine erfolgreiche Zertifizierung sind unter anderem folgende Prozessschritte wichtig:

  • Identifizierung von Kritischen Kontrollpunkten
  • Kontrolle und Dokumentation der Herkunft der Rohstoffe und Produkte
  • Schulung von Mitarbeitern
  • Einführung eine Dokumentationsmanagements
  • Räumliche Trennung von zertifizierten und nicht zertifizierten Produkten

Unternehmen, die eine Zertifizierung anstreben, müssen Mitglied der RSPO-Organisation sein. Die Zertifizierung erfolgt durch eine unabhängige, akkreditierte Zertifizierungsbehörde mit hilfe eine Zertifizierungsaudits. Bei einer erfolgreichen Erstzertifizierung findet ein jährliches Überwachungsaudit statt. Das Zertifikat hat eine Gültigkeit von 5 Jahren und muss nach diesem Zeitraum durch ein Rezertifizierungsaudit erneuert werden.

Weiterführende Informationen

  • Webseite des RSPO - Roundtable on Sustainable Palm Oil
  • Hier können Sie sich das Factsheet zum RSPO-Standard herunterladen (PDF)
  • Hier können Sie den RSPO Lieferkettenzertifizierungs-Standard auf deutsch herunterladen (PDF)


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Themen: Tipps, Zertifizierungen