Staatliche Öko-Standards - Äquivalenzabkommen zwischen EU und USA

veröffentlicht von Laura Heisch am 15.12.2016

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Innerhalb der EU werden der Anbau und die Produktion von Bio-Lebensmitteln durch die staatliche EU-Öko-Verordnung geregelt. Die Grundlagen des EU-weit gültigen Standards haben wir Ihnen bereits hier vorgestellt. Für den Handel mit Produkten außerhalb der EU ist im Regelfall die jeweilige länderspezifische Zertifizierung notwendig, die nachweist, dass die inhaltlichen Vorgaben des Ziellandes erfüllt werden. Das gleiche gilt für den Handel von ökologischen Lebensmitteln innerhalb der EU, die aus nicht EU-Ländern stammen. Eine Erleichterung innerhalb des internationalen Handels ist das Äquivalenzabkommen zwischen der EU und den USA, welches seit Februar 2012 die gegenseitige Anerkennung der staatlichen Öko-Standards regelt.

Da sich das amerikanische National Organic Program (NOP)  in den meisten Punkten mit der EU-Öko-Verordnung überschneidet, akzeptieren die USA und die EU ihre Zertifizierungen gegenseitig für den Handel von Bio-Lebensmitteln.

Das bedeutet eine enormen Bürokratieabbau und erleichtert die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA erheblich. Auch wenn für den gegenseitigen Handel mit Bio-Produkten keine extra Zertifizierung notwendig ist, lassen sich mittlerweile auch immer mehr EU-Produzenten zusätzlich nach den Vorgaben des NOP zertifizieren, entweder aus Marketinggründen oder um sich nicht durch die Ausnahmen des Äquivalenzabkommens einschränken zu lassen.

Vor diesem Hintergrund möchten wir Ihnen die Grundlagen des NOP vorstellen und die wichtigsten Unterschiede der beiden staatlichen Öko-Programme aufzeigen.

Was ist das NOP?

Das USDA National Organic Program ist das staatliche Nachhaltigkeitsprogramm der USA für Lebensmittel. Der Standard unterliegt dem USDA, dem Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten und macht Vorgaben zum Anbau, der Verarbeitung und dem Handeln von “Bio”-Lebensmitteln in den USA, dort gekennzeichnet mit dem Begriff “organic”. Rund 80 Zertifizierungsstellen haben mittlerweile mehr als 33.000 Produkte in den USA zertifiziert.

NOP beinhaltet unter anderem Vorschriften zu:

  • der ökologischen Erzeugung und Aufbereitung von tierischen und pflanzlichen Agrarprodukten
  • Etiketten, einer transparenten Kennzeichnung und Marktinformationen
  • Zertifizierungs- und Dokumentationspflichten

Die Zertifizierung erfolgt wie auch innerhalb der EU durch eine von der USDA akkreditierte unabhängige Zertifizierungsbehörde. Das Zertifikat hat eine Gültigkeit von 1 Jahr.

Voraussetzungen für den Handel in den USA:

EU-Produkten, die nach VO (EG) Nr. 834/2007 zertifiziert sind, dürfen innerhalb der USA als “organic” vermarktet werden, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • die Produkte müssen in der EU hergestellt oder zuletzt bearbeitet bzw. verpackt worden sein.
  • der vollständige Verzicht von Antibiotika
  • dem EU-zertifizierten Produkt muss ein Import-Zertifikat beiliegen. Dieses wird von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle ausgestellt.

Voraussetzungen für den Handel innerhalb der EU:

Produkte aus den USA, die nach dem NOP zertifiziert sind, dürfen innerhalb der EU als “Bio” vermarktet werden, wenn Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • die Produkte müssen innerhalb der USA hergestellt oder zuletzt bearbeitet bzw. verpackt worden sein.
  • dem NOP-zertifizierten Produkt muss ein Import-Zertifikat beiliegen. Dieses wird von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle ausgestellt.
  • der vollständige Verzicht von Antibiotika
  • bei dem Handel von Rosengewächsen, wie Äpfel und Birnen, muss der Einsatz von Antibiotika nachweislich und explizit ausgeschlossen sein (siehe Ausnahmen)

Ausnahmen des Abkommens:

Auch wenn die beiden staatlichen Öko-Verordnungen sich inhaltlich in den meisten Fällen sehr ähnlich sind, gibt es dennoch einige bedeutende Unterschiede innerhalb der Richtlinien. Zum Schutz des Verbrauchers und der Einhaltung der länderspezifischen Grenzwerte, sind deshalb einige Produkte und Inhalte von dem Abkommen ausgenommen:

  • Äpfel und Birnen (Rosengewächse) aus den USA: Das NOP erlaubt eine Behandlung mit Antibiotika bei Feuerbrand, während die Behandlung mit Antibiotika innerhalb der EU-Öko-Verordnung verboten ist. Hierfür ist ein gesonderter Nachweis notwendig.
  • Fleischprodukte aus der EU: Die EU-Öko-Verordnung erlaubt einen beschränkten Einsatz (max. 2 Mal) von Antibiotika im Krankheitsfall, während das NOP die Verwendung von Antibiotika bei Tieren strikt untersagt.
  • Produkte aus Aquakulturen aus den USA: Da das NOP derzeit keine Richtlinien zur nachhaltigen Aquakultur beinhaltet, sind tierische Produkte aus diesem Bereich von dem Äquivalenzabkommen ausgenommen.
  • Wein aus der EU: Die EU-Öko-Verordnung erlaubt einen beschränkten Einsatz von Sulfiten, während das NOP den Einsatz komplett verbietet.
  • Einsatz von GVO: Für den Einsatz von Gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gelten weiterhin die Richtlinien der EU-Öko-Verordnung, in welcher der Einsatz strikt untersagt ist.

Weitere Informationen:

  • Hier finden Sie mehr Informationen zu NOP auf der Webseite der US-amerikanischen Landwirtschaftsbehörde USDA.
  • Hier finden Sie die Pressemitteilung der USDA zum Äquivalenzabkommen.
  • Hier finden Sie ein Informationsblatt auf der Webseite der AÖL (Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller.
  • Hier finden Sie die Inhalte des NOP-Programms (Deutsch).

 

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