Koscher-Zertifikat - Was sollte ich beachten?

veröffentlicht von Laura Heisch am 20.10.2016

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Es gibt rund 14,5 Millionen Juden weltweit. Davon lebt die Mehrheit der drittgrößten monotheistischen Glaubensgemeinschaft in den USA und in Israel, in Deutschland leben schätzungsweise 120.000 Juden. Ähnlich zu den muslimischen Speisevorschriften (Halal) gibt es im Judentum die Speisegesetze “Kaschrut”, die einen besonderen Umgang mit Lebensmitteln voraussetzen. Gerade für einkaufende und produzierende Lebensmittelunternehmen ergibt sich hieraus ein zunehmender Verbrauchermarkt, der nicht zu unterschätzen ist. So genannte “koschere” Lebensmittel, die den Regeln der Kaschrut folgen, müssen dabei für den Endverbraucher klar gekennzeichnet sein. Dies geschieht in der Regel durch eine Überprüfung der Produktionsstätten mit anschließender Zertifizierung, bei der dem Unternehmen meist ein produktbezogenes Hechscher bzw. Kaschrut-Zertifikat erteilt wird.

Wir haben sowohl für einkaufende Unternehmen, die Koscher-Zertifikate von Ihren Lieferanten abfragen, als auch für produzierende Unternehmen, die ihren Betrieb oder ihre Produkte zertifizieren lassen möchten, die wichtigsten Punkte zu dem Koscher-Zertifikat zusammengestellt:

Was ist koscher?

Die jüdischen Speisegesetze, Kaschrut, schreiben bestimmte Regeln bei der Produktion und dem Verzehr von Lebensmitteln sowie Lebensmittelzusatzstoffen oder Nahrungsergänzungsmitteln vor. Dabei werden Lebensmittel in “koscher”, also für den Verzehr erlaubt, und “nicht-koscher” eingeteilt.

Es gibt drei grundlegende Aspekte in der Kaschrut:

  1. Die Unterscheidung zwischen erlaubten und nicht erlaubten Tieren.
  2. Das absolute Verbot des Genusses von Blut.
  3. Die Aufteilung in „fleischige“, „milchige“ und „neutrale“ Lebensmittel.

Die Kaschrut stellt die Verbindung von Physischem und Geistigem dar und nimmt damit einen großen Stellenwert innerhalb des jüdischen Glaubens ein. Die Speisevorschriften unterscheiden von Grund auf Tiere, die als koscher oder nicht koscher gelten. So ist es beispielsweise orthodoxen Juden, die streng nach den Vorschriften der Kaschrut leben, nicht erlaubt Schweine oder Meerestiere (ausgenommen Fische) zu verzehren, weil diese als generell nicht koscher angesehen werden. Bei koscheren Tieren, die zum Verzehr geeignet sind, wie z.B. Ziegen oder Kühe, ist eine koschere Schlachtung und Zubereitung notwendig, damit diese als insgesamt koscher angesehen und damit verzehrt werden dürfen.

Aufgrund dieser und weiteren zahlreichen Vorgaben stehen Lebensmittel produzierende Unternehmen vor der Herausforderung von transparenten Lieferketten, da nur so eine genaue Nachvollziehbarkeit der eingekauften Rohstoffe möglich ist.

Welche Zertifizierungen gibt es?

Für koschere Lebensmittel, die in Deutschland nicht für den Export produziert werden, gibt es kaum einheitliche Zertifizierungen. Hierfür gibt es vor allem Listen, beispielsweise die der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, die koschere Lebensmittel kennzeichnen. Ansonsten gibt es wenige international anerkannte, auf koscher spezialisierte Rabbiner, die ein Kaschrut-Zertifikat ausstellen dürfen, wie beispielsweise der Rabbiner Hod-Hochwald.

Vor allem in den USA entsteht durch die große Anzahl an Juden und der damit verbundene Umsatz von koscheren Lebensmitteln ein enormer Wirtschaftsfaktor. Koscher-Zertifikate (auch Kaschrut-Zertifikat oder Hechscher genannt) sind dort für produzierende und handelnde Unternehmen so gut wie Pflicht, um gegenüber der Konkurrenz auf dem Lebensmittelmarkt bestehen zu können. Da es sich jedoch, wie bei den muslimischen Vorschriften für “Halal”, um keine gesetzlichen Vorgaben handelt, besteht kein einheitlicher Zertifizierungsstandard. Dennoch gibt es einige Organisationen, die anerkannte Zertifizierungen vornehmen. Diese sind unter anderem:

Was bringt mir eine Zertifizierung?

Einerseits dient eine Zertifizierung dazu jüdischen Gläubigen eine Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass auch immer mehr nicht-jüdische Konsumenten koscherer Lebensmittel beziehen. Koscheren Lebensmitteln wird unterstellt, dass sie strengeren Kontrollen unterliegen und signalisieren dadurch bei Verbrauchern mehr Qualität und Sicherheit. Da koschere Lebensmittel ist den meisten Fällen die Vorgaben für eine Halal-Zertifizierung mit abdeckt, gehören auch Muslime zu den Endverbrauchern von als koscher gekennzeichneten Lebensmitteln. Vor allem für produzierende Lebensmittelunternehmen, die weltweit exportieren, kann eine Koscher-Zertifizierung von Vorteil sein.

Wie erhalte ich eine Zertifizierung?

Das zu zertifizierende Unternehmen wendet sich an eine anerkannte Zulassungsstelle und  wird im folgenden von der Zertifizierungsstelle durch einen unabhängigen Rabbiner, der auf Kaschrut spezialisiert ist, und /oder durch eine Kaschrut-Organisation kontrolliert. Dabei wird der gesamte Produktionsprozess überwacht und vor allem auf den Kontakt mit nicht-koscheren Lebensmitteln hin kontrolliert.

Es gibt sowohl lieferanten- als auch produktbezogene Zertifizierungen. Produktbezogene Zertifizierungen müssen in dem Zertifizierungsdokument deutlich kennzeichnen, welche Produkte im Rahmen der Kontrolle zertifiziert wurden und demnach den Vorgaben der Kaschrut entspricht.

Was muss ich bei dem Zertifikat beachten?

  • Name der Zertifizierungsstelle
  • Name und Unterschrift des Vertreters der Zertifizierungsstelle
  • Ausstellungsdatum
  • Gültigkeit der Zertifizierung (normalerweise 1 Jahr)
  • Hinweis, ob Gültigkeit für Pessach besteht (hierfür gelten gesonderte Regeln)

Weiterführende Informationen zum Thema “Koschere Lebensmittel” können Sie in DLG-Expertenwissen 9/2015 nachlesen (PDF).

 

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