Branchenspezifischer Standard - GOTS für nachhaltige Textilien

veröffentlicht von Laura Heisch am 08.12.2016

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Im Rahmen der letzten Beiträge haben wir Ihnen bereits einige der bekanntesten Nachhaltigkeitsstandards aus unterschiedlichen Bereichen vorgestellt. Neben allgemeinen Lebensmittelstandards wie beispielsweise der EU-Öko-Standard, gibt es weitere branchenspezifische Standards. In diese Reihe lässt sich der GOTS einordnen.

Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS genannt, ist ein internationaler Standard für die Verarbeitung von nachhaltigen Produkten aus Naturfasern und wurde 2006 gegründet. Die Organisation umfasst vier nationale Mitgliederorganisationen aus Deutschland, England, USA und Japan. Um den Standard stetig zu erweitern und zu verbessern, arbeitet die internationale Organisation mit verschiedenen Stakeholder-Gesellschaften und Organisationen wie Gewerkschaften oder Umweltorganisationen zusammen.

Grundlagen des GOTS

Der Standard umfasst die gesamte Lieferkette und setzt sich für eine biologische Produktion und Verarbeitung von Textilprodukten aus Fasern wie Baumwolle, tierische Wolle oder Hanf ein. Der GOTS gibt nicht nur Richtlinien für eine nachhaltige Verarbeitung der Naturprodukte vor, sondern regelt auch soziale Produktionsbedingungen. Alle Hersteller und Verarbeiter müssen hierfür die sozialen Mindestanforderungen der Internationalen Arbeitsorganisation einhalten. Die IAO (englisch: International Labour Organization) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Im Gegensatz zu anderen Standards ist der GOTS nicht nach Produktgruppen, sondern in vier Anwendungsbereiche aufgeteilt. Der Standard setzt bei der Verarbeitung von Naturfasern an. Der biologische Anbau hingegen, der Voraussetzung für eine erfolgreiche GOTS-Zertifizierung ist, wird durch andere staatliche Nachhaltigkeitsstandards wie beispielsweise die EU-Bio-Verordnung geregelt.

Die GOTS-Organisationsstruktur

Die vier Mitgliedsorganisationen arbeiten zusammen in der GOTS IWG (Inter­na­tional Working Group) und bilden gemeinsam die Global Standard GmbH:

Gemeinsam entscheiden die Mitgliedsorganisationen über den allgemeingültigen Standard und über alle grundlegenden Fragen des GOTS. Als Dach-Organisation sind sie auch Eigentümer des GOTS-Labels.

Es gibt weltweit Repräsentanten (u.a. USA/Kanada, Japan, Deutschland, China, Bangladesh), die als Netzwerk zusammen arbeiten. Ergänzt wird die Arbeit durch einen technischen Ausschuss, der vor allem für die Qualitätssicherung zuständig ist und beispielsweise die Zertifizierungsstellen betreut.

Die GOTS-Zertifizierung

Grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Zertifizierung ist die Verwendung von mindestens 70% nachhaltig angebauter Naturfasern. Eine Zertifizierung können alle Betriebe entlang der Lieferkette beantragen, die in irgendeiner Form Textilien produzieren, verarbeiten oder mit ihnen handeln. Vom ersten Produktionsschritt entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette findet eine Kontrolle und Überwachung durch eine der 18 unabhängigen Zertifizierungsstellen statt, die weltweit tätig sind. Eine Zertifizierung muss somit auf allen Stufen der Lieferkette erfolgen, um schließlich das gesamte Produkt als GOTS-zertifiziert zu kennzeichnen. Für die Gewähleistung einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit eines nachhaltigen Endprodukts, besteht für den Handel von fertiger Ware ebenfalls eine Zertifizierungspflicht, da vor allem Großhändler eine wichtige Rolle innerhalb der Lieferkette einnehmen.

Die Zertifizierung erfolgt dabei in einem der vier Anwendungsbereiche:

  • Zertifizierung von mechanischen Textilverarbeitungs- und Konfektionsbetrieben und deren Produkten
  • Zertifizierung von Nassverarbeitungs- und Ausrüstungsbetrieben und deren Produkten
  • Zertifizierung von Handelsbetrieben und deren Produkte
  • Freigabe von Positivlisten für Textilhilfsmittel (Farb- und Hilfsstoffe) für die Zulieferindustrie

Ablauf der Zertifizierung

Die Zertifizierung erfolgt durch eine Vor-ort-Inspektion des jeweiligen Betriebes, welche von einer vorab gewählten Zertifizierungsstelle durchgeführt wird. Für eine entsprechende Betriebszertifizierung müssen alle Punkte des Standards erfüllt werden. Beispielsweise ist bei der Produktion und Verarbeitung von Textilien der Einsatz von gentechnisch veränderten Materialien vollständig verboten und nur streng kontrollierte und zugelassen Hilfsmittel wie Farbstoffe zugelassen. Hierfür hat der GOTS eine gesonderte Positivliste für Textilhilfsmittel.

Um die Einhaltung der Kriterien zu gewährleisten, wird ein entsprechende Protokoll durch die Zertifizierungsstelle erstellt. Diese muss unter anderem Aspekte wie die Prüfung der verwendeten Textilhilfsmittel, Einsicht in die Buchführung, Beurteilung des Verarbeitungs- und Lagersystems und Überprüfung der sozialen Kriterien enthalten. Nach der erfolgreichen Zertifizierung erstellt die Behörde das entsprechende Dokument aus. Das GOTS-Zertifikat hat eine Gültigkeit von einem Jahr. Für eine Rezertifizierung erfolgt eine jährliche Kontrolle.

Das GOTS-Label

Nur, wenn alle Schritte innerhalb der Lieferkette kontrolliert und zertifiziert wurden, ist eine entsprechende GOTS-Kennzeichnung des Endprodukts möglich. So ist jeder Beteiligte entlang der Lieferkette auf den Nachweise einer GOTS-Zertifizierung angewiesen.

Die Kennzeichnung der Zertifizierung erfolgt durch die Verwendung des GOTS-Labels, welches auf dem Endprodukt zu finden ist. Dieses darf verwendet werden, wenn der letzte Beteiligte der Lieferkette, in der Regel Großhändler oder direkter Einzelhändler, über eine entsprechende Zertifizierung verfügt. Auf dem Produkt selbst muss eine Kennzeichnung der letzten Zertifizierungsstufe und der Zertifizierungsstelle zu finden sein.

Weitere Informationen

  • Hier können Sie den gesamten GOTS-Standard herunterladen.
  • Hier finden Sie eine Übersicht mit allen zugelassenen Zertifizierungsstellen.Hier finden Sie eine Übersicht mit den wichtigsten Aspekten des Zertifizierungsprotokolls.

 

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